Eine Schlossansicht von 1861 mit Rittergutsgebäude, Forsthaus und Park, aus nordöstlicher Blickrichtung.
Historische Betrachtung Rundschloss Oberpöllnitz
Der Ort Oberpöllnitz mit seiner ehemaligen Wehrburg entstand offenbar durch Rodungstätigkeit in der Zeit der slawischen Besitznahme und liegt in den Grenzbereichen der Slawengaue: Pagus Orla und Pagus Geraha.
Die zuletzt bestehende Schloss- und Rittergutsanlage im Jahr 1946, vor dem teilweisen Abriss der Wirtschaftsgebäude, umfasste einen Gebäudekomplex mit verschiedenen Höfen, Wohngebäuden, Stallungen und Scheunen. Sicherlich entstanden aus einem alten Herrenhof, der dann im Laufe der Jahrhunderte nachweislich sein Gesicht mehrfach verändert hat. Zeugnis davon geben auch die noch sichtbaren Jahreszahlen 1414 und 1848 im Schlussstein des Eingangsportals. Während zuerst die Wehrhaftigkeit im Vordergrund stand, war es später (15./16. Jh.) der Drang nach Wohnlichkeit und Repräsentanz der Grund für fortwährende bauliche Veränderungen. Die wahrscheinlich umfangreichsten Umbau- und Modernisierungsarbeiten erfolgten jedoch in der Besitzzeit (1607 - 1628) des Bernhard von Pöllnitz (1569 - 1628), dem berühmten Kursächsischen Kanzler aus dem Haus Schwarzbach. Um die Zeit 1620 wurde die Burg durch ihn in ein repräsentatives Renaissance-Schloss ungebaut. Aus dieser Zeit stammen die typischen Volutengiebel, Obelisken, Grisaille-malereien von Vögeln und geometrischen und vegetabilen Dekoren im Inneren. Um 1730 erfolgte eine weitere größere Innenmodernisierung durch den neuen Rittergutsbesitzer Julius von Jobin. Der im 2. Obergeschoss mit Blickrichtung Süd-Südost befindliche ehemalige Rittersaal wurde zum so genannten Hauptsaal für repräsentative Zwecke hergerichtet. Er erhielt u. a. auch eine reiche Stuckdecke, in der Mitte mit zwei Wappen. Eines derer v. Jobin und das andere gehörte seiner Frau Johanna Auguste geb. v. Wackerhagen. Deren Eltern besaßen das Schloss u. Rittergut als Vorbesitzer! Beide Familien waren die Nachfolge-Herrschaften ab 1721 auf dem Stammschloss derer v. Pöllnitz, zuletzt im Besitz der Gosecker Nebenlinie, die sich aus dem Haus Schwarzbach abspaltete.
Das Alter der Schlossanlage ist noch nicht eindeutig bestimmt. Ursprünglich als befestigter Adelssitz unter militärischen Gesichtspunkten als Stützpunkt der Kolonisation angelegt und als feste Wasserburg erbaut, so wie die Triptiser, Rodaer und Niederpöllnitzer Burg, umgab auf der Nord- und Ostseite ein sumpfiger, tiefer Wassergraben Jahrhunderte lang den anfänglichen Wehrbau, die nachfolgende Burg sowie dass später errichtete Schloss. Ohne Zweifel entstanden durch den Abbau des für den Turm benötigten Gesteins. Letzte Reste wurden in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg verfüllt. Die ursprünglich kleine Wasserburg wurde höchstwahrscheinlich bis zum Jahr 1414 zu einer so genannten Ringhausburg erweitert, wobei ein eventuell vorhandener Bergfried mit niedergelegt wurde. Das uns bekannte Rundschloss entstand um das Jahr 1620, mit einem geschlossenen Innenhof mit Treppenturm und Renaissance-Fassade. Diese mehrmaligen Um- u. Erweiterungsbauten sind noch deutlich sichtbar an zahlreichen Abwinkelungen der Mauerstrukturen im Rundsystem und am Dachstuhl sowie an den verschiedenen Dachneigungen. Leider wurden vor der im Jahr 2007 erfolgten inneren und äußeren Neuverputzung keine bauarchäologischen Untersuchungen veranlasst bzw. vorgenommen. Eigentlich unbegreiflich, da es doch der einzige Rundbau dieser Art in Thüringen ist und bisher noch nie derartige Untersuchungen stattgefunden haben. Der anschließende ostwärts gelegene Park mit seltenem Baumbestand, bis 1946 existent, konnte durch eine Holzbogenbrücke erreicht werden. Im Allgemeinen gilt die Erkenntnis, dass ein vorhandener Wassergraben um ein Herrenhaus auf ein hohes Alter der Anlage schließen lässt. Zum Schloss gehörte auch schon seit grauer Vorzeit die Teichmühle zu Mühlpöllnitz und das Vorwerk Geheege zur Bewirtschaftung der nordseitigen ferneren Liegenschaften.
Die Wehranlage geht ohne Zweifel in die Zeit der 1. deutschen Kolonisationswelle im Orlagau zurück (1o./11. Jh.). Sie bildete neben Niederpöllnitz einen der wichtigsten Ansiedlungspunkte des vermutlich freien Reichs-Ministerialengeschlechts derer v. Polnicz
in der altslawischen Polnicz-Ebene zwischen Triptis und Weida. Waren es Ministeriale des Königs (Verwalter von Königsland), mit Grundbesitz durch Reichslehen in dieser Polnicz-Ebene? Aus Franken, Schwaben oder vom Niederrhein? Waren sie Ministeriale der Wettiner oder Lobdeburger? Oder, was auch nahe liegt und meine persönliche Ansicht verfestigt, waren sie Ministeriale der Vögte von Weida? Die älteste Geschichte derer v. Pöllnitz auf unseren Pöllnitz-Dörfern, besonders die Frage, wie sie in unsere Gegend gekommen sind, liegt noch arg im Dunkeln. Die ursprünglichen Siedlungspunkte, Besitzungen und häufigen Zeugenaufführungen in den Urkunden der Vögte sowie Freundschafts- und Hilfsdienste, auch Kriegsdienste, für die Vögte von Weida, Greiz und Plauen, lassen Spielraum für viele Vermutungen zu. Da die ritterlichen Familien sich nach dem Ort ihres Besitzes benannten, so dürfte die Erklärung des Familiennamens durch die Ausdeutung des Ortsnamens gegeben sein. Möglich ist es auch und häufig in der Geschichte zu beobachten, dass ein Familienstamm je nach Besitzstand oder Wohnort verschiedene Zunamen benutzt. (Siehe die Vermutung des Zusammenhangs der Namensverwendung v. Polnicz und de Meczsch auf Miesitz)
In einer 2. Kolonisationswelle zur Sicherung, Verwaltung und allmählichen Besiedlung des ursprünglich sorbischen Landes im 12. und 13. Jh. setzt der Kaiser ihm ergebene Dienstmannen und Adlige ein. Das sind hier in unserem Umfeld zwischen Elbe, Saale und Pleiße vor allem die Vögte von Weida, die Herren von Lobdeburg aber auch die Herren von Schönburg. Diese wiederum aktivierten die großen Besiedlungswellen mit deutschen Siedlern und der damit verbundenen gewaltigen Rodungstätigkeit. Seit 1122 werden die Herren von Weida, die späteren Vögte, im jetzigen Vogtland erwähnt. Damit könnte eine Ansiedlung derer v. Pöllnitz in die Zeit Ende 12. Jh. bis Mitte 13. Jh. vermutet werden. Ein Ort Polnicz, ob Ober-, Mittel- oder Niederpöllnitz ist nicht belegt, wurde schon 1238 im Urkundenbuch der Vögte von Weida genannt! (Dobenecker, Bd.III. S.766) Waren es aber Freie Reichsministeriale ist es ihnen jedoch nicht gelungen einen bedeutenden höheren Herrschaftsanspruch aufzubauen. Denn noch im 13. Jh. gelang es den erstarkten Reußen in den genannten Ostland-Gauen weiter Fuß zu fassen. Mit diesem Kolonistenauftrag einher ergab sich für die Ansiedler die Notwendigkeit der Schaffung einer eigenen wirtschaftlichen Existenz. So entstand der bäuerliche Erbzins- u. Wirtschaftshof, der Edelhof, der Herrensitz, das Vorwerk, das Klostervorwerk, der Sattelhof, der Siedelhof, das Freigut, alle mit der später möglichen Entwicklung zum Rittergut und dem damit verbundenen sesshaften Rittertum. Die durch Urkunden nachweisbare Ersterwähnung für die Ansiedlung des Pöllnitz-Adels in Oberpöllnitz, erfolgte 1341. In einer Niederschrift im Urkundenbuch der Vögte von Weida, Bd. I. von 1885, S. 838, heißt es in einem Vergleich vom 5.12.1341: „Ich Katherin v. Polnicz und alle mine Kint“. Sie wird Herrin von Oberpöllnitz genannt. 1414 wird dann sogar vom Neuen Haus Oberpöllnitz berichtet. Es erfolgte wahrscheinlich der Umbau der alten Burg zum schlossähnlichen Gebäude, zu einer Ringhausburg. Mit diesem Ausbau des Sitzes Oberpöllnitz muss auch die spätere (1438) Verlegung des Herrenhauses Niederpöllnitz nach hier gesehen werden. Niederpöllnitz wurde aufgegeben oder musste aufgegeben werden und wurde von denen von der Planitz übernommen. Das Schloss diente in DDR-Zeiten als Wohnsitz, vorwiegend von Aussiedlerfamilien und wurde 1977 wegen Baufälligkeit beräumt. Es war zum Abriss bestimmt.
Erarb. von Wolfgang Schuster, Oberpöllnitz 10/04, Erg. 5/08
Schlossansicht 1991
Durch den nicht erfolgten Abriss 1978 trat der im Bild zu sehende Bauzustand ein. Ab 1992 wurden mit erheblichen Mitteln und mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in den folgenden Jahren das Dach und die Innendecken aufwendig saniert. Nun könnte durch entsprechende Gestaltungsmöglichkeit das Gebäude einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Ein Verkauf an Privatpersonen soll nun wohl erfolgt sein.
Das Rundschloss nach seiner Teilsanierung 1994. Die Ansicht aus der Blickrichtung Nord-West zeigt den Stand vom 6.09.2005 mit der begonnenen Fensterrestaurierung.
Teilansicht des Innenhofes mit der Tiertränke und dem noch teilweise vorhandenen Wassergraben ( Bild von 1938 )




