Die Röhrwasseranlage

1. Info:

Roland und Rigo Wetzel, Oberpöllnitz
Zwei fleißige Enthusiasten bei der Arbeit, der Rekonstruktion der alten Brunnensysteme für die ehemalige Wasserleitung zum Rittergut.

 

Der 1. Brunnen wurde im August 2008 rekonstruiert und Marco Schuster und Vater versiegeln mit einer Lehmmischung die Abdeckplatte, um ein Eindringen von Schmutz zu verhindern.

 

Die Wasserversorgung des Rittergutes Oberpöllnitz

Das Schloss und Rittergut wurde ab 1903 über eine eigene, modernisierte Wasserleitung mit dem erforderlichen Trinkwasser versorgt. Zu diesem Zweck fasste man im Rittergutswald in der Flur 6, im Norden des Dorfes, die Quellen der "Roten Pöllnitz". Deren Wasser führte man mittels Tonrohre in einen unterirdisch errichteten Hauptsammler und von hier wurde das Wasser über teure, nahtlose Mannesmann-Stahlrohre zum Rittergutshof geleitet. Nun war es möglich, ca. 230 Tiere aller Art auf dem Hof mit diesem Wasser zu versorgen. Notwendig wurde eine leistungsfähigere Wasserversorgung auch deshalb, da 1901/2 auf dem Rittergutshof ein neuer, wesentlich größerer Kuhstall gebaut wurde und sich der Großviehbestand erhöhte. Im Wald ebenfalls vorgefundene alte Brunnen, nebst alten Holzrohrleitungen, lassen vermuten, dass schon vorher eine Wasserleitung existierte. Ob dieses so genannte Röhrwasser bis zum Rittergut führte, ist noch nicht geklärt aber sehr wahrscheinlich, denn schon 1537 wurde solch eine Röhrleitung beispielsweise zur Burg Posterstein geführt. Mit Hilfe von Holzröhren die durch eiserne Buchsen miteinander verbunden waren, wurde das Wasser unterirdisch auf den Rittergutshof in so genannte Röhrbottische geleitet, die ebenfalls aus Holz bestanden und mit Hanf und Moos abgedichtet waren. Das Reststück eines solchen Rohres befindet sich bei mir in Verwahrung. Die Holzrohre hatten einen Außendurchmesser von ca. 20 cm, die Buchsen von 8 cm. Mit einem langen eisernen Bohrer wurden die Stämme auf einem Röhrbohrstuhl bearbeitet. Die Länge des Bohrers bestimmte die Länge der entstehenden Röhren.
Mit der Wartung dieser Leitungen wurden in früherer Zeit Röhrmeister beauftragt. Nach 1945 mussten die Nutzer, meist Neubauern, selbst die jährlichen Reinigungen oder Reparaturen ausführen. Da die neuen Quellen und der Hauptsammler höher liegen als die Ziegelhütte und das Rittergut, kam man ohne Pumpensystem aus. Im Hof am Kastanienbaum stand ein Bassin, in das stets das Wasser hineinlief und das als Tränke für die Pferde und Zugochsen genutzt wurde. Auch die Nachbarn, wie Fam. Zauche, holten sich hier ihr Wasser nach Hause. Diese Wasserleitung ist durch Baumaßnahmen 1976 zerstört worden und kein Mensch hat sich mehr um ihre Erhaltung gekümmert. Das Dorf und auch die Neubauern auf dem ehemaligen RG-Bereich hatten seit 1967/68 einen Anschluss an die Fernwasserversorgung. Bis zu ihrer Zerstörung 1976 funktionierte dieses Leitungssystem noch und lieferte Herrn Runge Wasser für seine Gartenanlage in der Siedlerstraße. Nun im Jahr 2004 haben sich Roland Wetzel und sein Sohn Rigo daran gemacht, mit hohen Kraftaufwand die vier Brunnen frei zugraben, diese in Stand zu setzen, den Hauptsammler zu reinigen und die weitläufigen Zulaufrohre freizulegen. Die Rohrleitungen mussten teilweise erneuert bzw. durchflussfrei gemacht werden. Ergebnis dieser fleißigen, mühevollen Arbeit ist es bisher, dass drei Leitungssysteme wieder funktionieren, der Hauptsammler sich wieder gefüllt hat und ein neuer Röhren-Born entstanden ist, erreichbar durch eine angelegte Treppe. Zurzeit wird das Umfeld aufgeräumt, wurden Bänke aufgestellt, ist eine Handpumpe montiert und wird der private Zugangsweg in Stand gesetzt. Die "Rote Pöllnitz" ist der 3. Quellenbereich des Pöllnitzbaches!

Wolfgang Schuster, Oberpöllnitz, Texterarb. 10/04, akt. 5/05

 

Der große Erfolg! Der Hauptsammler hat sich wieder mit frischem Quellwasser gefüllt und gibt es an die Natur ab.

 

Mai 2005:
Roland und Rigo Wetzel geben nicht auf. Ein weiterer Brunnen wurde gefunden und nun wird auch dieses Rohrsystem geöffnet, gereinigt und wieder in Betrieb gesetzt. Eine immense Arbeit und bei den momentanen Temperaturen von 30°C Schwerstarbeit.

 

Nach getaner Arbeit an dem Rohrsystem kann sich Roland Wetzel nun am Hauptsammler am kühlen Quellwasser erfrischen. In den vergangenen Tagen wurde hier eine Sitzgruppe errichtet und die Familie Wetzel sponsorte eine Handpumpe. Auch der nebenliegende Teich füllt sich wieder mit Wasser. Der Ort wird mehr und mehr eine zukünftige Oase der Erholung für Wanderfreunde.

 

Ein ausgestorbenes Handwerk

Bei der Rekonstruktion der beiden Alten Brunnen wurden auch noch die früher verwendeten Holzröhren gefunden. Teilstücke können noch vor Ort im Graben angesehen werden. Sie liegen im Wassergraben, um sie vor Verwitterung zu schützen. Nebenstehendes Bild zeigt die damalige Herstellung der Holzrohre. Deren Länge war durch die Länge der Bohrer vorgegeben. Verlängerungen, Abzweigungen oder auch Abwinklungen wurden durch am jeweiligen Ende eingeschlagene Eisenmuffen bewerkstelligt.

 

Die Fertigungstechnik und deren Abläufe zur Herstellung von Holzröhren auf altherkömmlicher Art zeigt auch die Firma Zimmerei Beyer aus Dittersdorf bei Schleiz auf Veranstaltungen, wie hier zum Beispiel beim Fest der Landwirtschaft am 10. Juli 2011.

 

 

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